Ab wie viel Jahren darf man ins Fitnessstudio?

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Der Fitnesstrend hat längst auch den deutschsprachigen Raum erreicht.

Fitnessstudios werden daher unter anderem bei Jugendlichen immer beliebter. Auch Fitness-begeisterte Eltern fragen sich häufig, was das richtige Alter ist, um Kinder mit ins Studio zu nehmen.

Neugierig?

Wir werfen in diesem Beitrag einen ausführlichen Blick auf die gesundheitlichen und rechtlichen Aspekte.

In diesem Artikel: Verraten wir dir, ab welchem Alter der Besuch eines Fitnessstudios erlaubt und sinnvoll ist, welche Gefahren sich für Kinder und Jugendliche ergeben und welche Mindestalter renommierte deutsche Studios haben.

Ab welchem Alter sollte man im Fitnessstudio trainieren?

Ab wie viel Jahren darf ich ins Fitnessstudio? Titelbild

Das Alter, ab dem Jugendliche sich für Fitnesssport interessieren, sinkt stetig. Auch Kinder zeigen bereits Interesse an Krafttraining, wenn sie über soziale Medien oder ihr Umfeld damit in Kontakt kommen.

Dieses frühe Interesse ist allerdings nicht unbedingt schlecht.

Gerade übergewichtige Kinder und Jugendliche leiden oft unter dem Leistungsdruck in den gängigen Teamsportarten wie Fußball, Basketball oder Handball, da sie selten mit ihren Altersgenossen mithalten können.

Die daraus resultierende Frustration und Verbindung von negativen Emotionen mit Sport im Allgemeinen sorgen dann für einen Teufelskreis, der dazu führt, dass sich das Kind noch weniger bewegt.

Hier kann ein Fitnessstudio eine gute Alternative darstellen.

Die Kinder und Jugendlichen stehen beim gerätegestützten Training selten in einer direkten Konkurrenzsituation und können sich somit auf sich selbst und ihren Körper fokussieren – unabhängig von der Leistung anderer oder dem Erfolg eines ganzen Teams.

Hinzu kommt die soziale Interaktion mit den Trainern und anderen Trainierenden, die zwar in Teamsportarten noch intensiver ist, bei den üblichen Alternativen zur Bewegung wie Computerspielen oder Fernsehen allerdings komplett wegfällt.

Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren unzufrieden mit ihrem Körper sind. Australische Psychologen fanden in einer Langzeitstudie heraus, dass sowohl Mädchen als auch Jungen, einem wachsenden Schönheitsdruck in Bezug auf ihren Körper ausgesetzt sind und diesem oftmals mit gefährlichen Methoden wie Erbrechen, Diätpillen oder „Crashdiäten“ nacheifern [1].

Gerade die sozialen Medien wie Instagram, TikTok etc. tragen durch stark bearbeitete Bilder, irreführende Werbung und als wissenschaftliche Fakten verkaufte Behauptungen von Influencern zu diesem Problem bei.

Ein gezieltes gerätegestütztes Training im Fitnessstudio dagegen kann Kindern und Jugendlichen zu einer verbesserten Körperwahrnehmung und mehr Selbstbewusstsein verhelfen – und so dazu beitragen, dass sie dem von außen auf sie wirkenden Schönheitsdruck standhalten können.

Ab welchem Alter ist Gerätetraining sinnvoll?

Krafttraining im jungen Alter wird und wurde lange kontrovers diskutiert. Die drei Hauptkritikpunkte einiger älterer Studien sind dabei:

  • Training mit zu schweren Gewichten im Kindesalter behindere das Wachstum. Da bei Kindern und Jugendlichen die Epiphysen (also die Knochenenden) noch nicht vollständig verknöchert sind, könne ein intensives Training mit Gewichten zu einer Hemmung des Längenwachstums führen [2].
  • Durch die hohe Elastizität der Knochen, Bänder und Sehnen bestehe bei Kindern ein erhöhtes Verletzungsrisiko [3].
  • Durch die Hormonsituation sei ein präpubertäres Krafttraining schlichtweg sinnlos, da es keinen Muskel- oder Kraftzuwächse gebe [4].

Demgegenüber stehen mittlerweile allerdings zahlreiche aktuellere Studien, die diese Argumente widerlegen. Kinder haben bei korrekter Einweisung in die Nutzung der Geräte kein erhöhtes Verletzungsrisiko, müssen keine negativen Einflüsse auf ihre Entwicklung befürchten und können signifikant an Kraft und Muskelmasse zulegen [5,6,7,8].

Zudem werden Haltungsschäden frühzeitig vorgebeugt, das physische und psychische Wohlbefinden wird gestärkt und die koordinative Entwicklung gefördert.

Die Entscheidung, ob und ab wann man das eigene Kind gerätegestütztes Krafttraining betreiben lässt, sollte eine sehr individuelle sein und kann nicht auf ein konkretes Mindestalter herunter gebrochen werden.

In jeden Fall sollten jedoch – unabhängig von dem vom Fitnessstudio geforderten Mindestalter (auf diesen Punkt gehe ich später noch genauer sein) – einige Grundregeln für einen reibungslosen und verantwortungsvollen Start beachtet werden.

Grundregeln für Gerätetraining in jungen Jahren

Nicht an der falschen Stelle sparen.

Niemand sollte ein Preisschild an seine eigene Gesundheit oder die seines Kindes hängen. Auch wenn ein Preisunterschied von über 100€ zwischen Fitnessstudios vorkommen kann, sollte gerade bei Trainingsanfängern niemals das Discountangebot gewählt werden.

Denn gut ausgebildete Trainer und eine regelmäßige fachgerechte Betreuung sind das A und O, um Fitnesssport verletzungsfrei und erfolgreich durchführen zu können. Eine korrekte Übungsausführung und ein sinnvoller durchdachter Trainingsplan sind Grundsteine eines jeden gesunden Trainings.

Ohne Spaß keine Motivation – ohne Motivation keine langfristigen Erfolgserlebnisse.

Hand aufs Herz: auch wenn dir dein Training Spaß macht, musst du vermutlich regelmäßig den Kampf „Couch vs. Sport“ ausfechten. Auch deinem Kind wird es nicht anders ergehen. Daher solltet ihr euch gemeinsam verschiedene Methoden überlegen, um langfristige Motivation und Freude am Sport sicherzustellen. Du könntest dich beispielsweise selbst mitanmelden oder ein Belohnungssystem für erreichte Ziele etablieren.

Übermut zügeln

Grenzen austesten und auch mal darüber hinausgehen sind der Inbegriff pubertären Übermuts. Allerdings führt unkontrolliertes Training, wie bereits erwähnt, schnell zu Verletzungen und dauerhaften Schäden.

Daher sollten, vor allem anfangs, eher leichtere Gewichte und gerätegestützte Übungen gewählt werden. Zudem sollte – auch bei bereits bekannten Bewegungen – eine regelmäßige Kontrolle der korrekten Ausführung durch den Trainer stattfinden.

Auch der berühmte und gerade in der Männerwelt beliebte Grundsatz „Ich trainiere nur Oberkörper“ sollte vermieden werden. Der Körper befindet sich optimalerweise in einem Gleichgewicht und dieses sollte durch ein ausgewogenes und vielseitiges Training beibehalten werden.

Wissen ist Macht

Dass du diesen Artikel liest, zeigt, dass du bereit bist, dich fortzubilden und mehr über die Themen Sport, Gesundheit und Körper zu erfahren. Diesen Wissensdrang solltest du auch deinem Kind weitervermitteln.

Lerne zusammen mit deinem Kind die Hintergründe des Fitnesstrainings kennen und rege das natürliche kindliche Hinterfragen ruhig an. So könnt ihr beide zusammen viel dazu lernen.

Alternativen zum Fitnessstudio für Kinder und Jugendliche

Hat dein Kind gar kein Interesse für das Training im Fitnessstudio oder hat das vorgeschriebene Mindestalter noch nicht erreicht, gibt es einige tolle Alternativen, mit denen die motorischen Grundeigenschaften Kraft, Koordination, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit mindestens ebenso gut ausgebildet werden können. Folgende Sportarten sind für jedes Alter geeignet und es ist garantiert für jedes Kind etwas dabei.

Klettern

Klettern ist DIE Sportart, wenn es um eine optimale Mischung aus Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer geht. Das wurde bereits in zahlreichen Studien belegt.

Außerdem ist der Sport geprägt durch einen hohen Technikanteil und die Förderung koordinativer Fähigkeiten [9,10].

Von der Kindheit an haben wir ein natürliches Bewegungsverständnis und es fällt uns leicht, Bewegungsmuster zu antizipieren und zu übertragen – eine Fähigkeit, die wir im Laufe des Lebens immer mehr verlieren und mühsam neu erlernen müssen. Kinder machen das spielerisch und so sind Erfolgserlebnisse für den Nachwuchs garantiert!

Kampfsport

Kein Elternteil möchte, dass sich sein Kind verletzt oder – noch schlimmer – verletzt wird. Gerade Kampfsport hat in dieser Hinsicht leider oft einen negativen Ruf.

Doch „Kämpfen“ ist eines der fünf sogenannten menschlichen Grundphänomene und liegt uns daher fast schon im Blut [11].

Gerade bei asiatischen Kampfkünsten stehen Sicherheit, körperliche und geistige Entwicklung und Respekt an erster Stelle. Ein berühmtes Zitat des Begründers des Judos, Kano Jigoro, lautet:

Judo ist der Weg zum effektivsten Einsatz sowohl der körperlichen als auch der geistigen Kraft“.

Die Zeiten, in denen Kampfsport auch hier in Deutschland nur in dunklen und verruchten Räumlichkeiten trainiert wird, sind schon lange vorbei. Es gibt zahlreiche Angebote, die auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind und einen frühen Einstieg in diesen Sport ermöglichen.

Schwimmen

Last but not least ist der Klassiker Schwimmen die dritte Alternative zum Krafttraining für Kinder und Jugendliche.

Eine erschreckende Telefonstudie hat gezeigt, dass über 14% aller Kinder in Deutschland nicht schwimmen können [12]. Und das, obwohl unzureichende Schwimmkenntnisse häufig zu Unfällen und im schlimmsten Fall tatsächlich zum Ertrinken führen können.

Daher sollte, unabhängig von der Hauptsportart, immer eine solide Basis im Schwimmen vorhanden sein. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ gilt ein Alter von 4-5 Jahren als ideales Einstiegsalter für erste Trainingsstunden [13]. Neben der grundsätzlichen Fähigkeit, sich über Wasser halten zu können, hat Schwimmen noch diverse andere Vorteile, die es auch als Hauptsportart qualifizieren:

  • Es führt zu einer gleichmäßigen muskulären Stärkung des gesamten Körpers und fördert zudem die Ausdauerfähigkeit.
  • Es stärkt das Immunsystem so gut wie wenig andere Sportarten.
  • Das Gefühl der Schwerelosigkeit und die Stille unter Wasser machen den Kopf frei und lassen Sorgen in den Hintergrund rücken.
  • Schwimmen fördert einen gesunden Schlaf und die Regeneration der Muskulatur.

Gibt es gesetzlich vorgeschriebenes Mindestalter für Fitnessstudios?

Kurze Antwort: Nein, es gibt keine gesetzliche Regelung in Deutschland, ab wann du in das Fitnessstudio darfst.

Anders sieht es hingegen in Sachen Vertragsrecht aus.

Hier sieht das BGB vor, dass du zum Abschluss eines Vertrags 18 Jahre alt sein musst.

Das Mindestalter in großen deutschen Studios

Zum Abschluss haben wir für dich eine Übersicht über renommierte deutsche Fitness-Studio-Ketten und deren Mindestalter gesammelt.

StudioMindestalter
McFit15 Jahre, sofern die Eltern einwilligen
EasyFitness16 Jahre
Fitness First18 Jahre
Clever Fit14 Jahre, sofern die Eltern einwilligen
Injoy16 Jahre
FitX15 Jahre, sofern die Eltern einwilligen
Mrs. SportyUnterschiedlich, je nach Studio
Pfitzenmeier16 Jahre, sofern die Eltern zustimmen

Quellennachweis

[1] McCabe, M. P., & Ricciardelli, L. A. (2009). Extreme weight change behaviours: are overweight and normal weight adolescents different, and does this vary over time?. European eating disorders review : the journal of the Eating Disorders Association17(4), 301–314. https://doi.org/10.1002/erv.929

[2] Caine, D., DiFiori, J., & Maffulli, N. (2006). Physeal injuries in children’s and youth sports: reasons for concern?. British journal of sports medicine40(9), 749–760. https://doi.org/10.1136/bjsm.2005.017822

[3] Micheli, L. J., & Fehlandt, A. F., Jr (1992). Overuse injuries to tendons and apophyses in children and adolescents. Clinics in sports medicine11(4), 713–726.

[4] Risser W. L. (1991). Weight-training injuries in children and adolescents. American family physician44(6), 2104–2108.

[5] Hamill BP. (1994) Relative safety of weightlifting and weight training. J Strength Cond Res (8) 53-57.

[6] Sadres E., Eliakim A., Constantini N., Lidor R., Falk B. (2001) The effect of long-term resistance training on anthropometric measures, muscle strength, and self concept in pre-pubertal boys. Ped Exerc Sci (13) 357-372.

[7] Faigenbaum, A. D., McFarland, J. E., Johnson, L., Kang, J., Bloom, J., Ratamess, N. A., & Hoffman, J. R. (2007). Preliminary evaluation of an after-school resistance training program for improving physical fitness in middle school-age boys. Perceptual and motor skills104(2), 407–415. https://doi.org/10.2466/pms.104.2.407-415

[8] Falk, B., & Tenenbaum, G. (1996). The effectiveness of resistance training in children. A meta-analysis. Sports medicine (Auckland, N.Z.)22(3), 176–186. https://doi.org/10.2165/00007256-199622030-00004

[9] Cutts, A., & Bollen, S. R. (1993). Grip strength and endurance in rock climbers. Proceedings of the Institution of Mechanical Engineers. Part H, Journal of engineering in medicine207(2), 87–92. https://doi.org/10.1243/PIME_PROC_1993_207_275_02

[10] Orth, D., Davids, K., & Seifert, L. (2016). Coordination in Climbing: Effect of Skill, Practice and Constraints Manipulation. Sports medicine (Auckland, N.Z.)46(2), 255–268. https://doi.org/10.1007/s40279-015-0417-5

[11] Fink, E. (1979) Grundphänomene des menschlichen Daseins (Virginia) (2), 424

[12] DLRG, Ein Viertel der Deutschen kann kaum schwimmen, Pressemappe zur Emnid-Umfrage. http://www.dlrg.de/presse/ pm-emnid-umfrage.html, 22. April 2016

[13] BUNDESARBEITSGEMEINSCHAFT MEHR SICHERHEIT FÜR KINDER E.V., Schwimmen lernen. Tipps zum richtigen Einstieg. Bonn: BAG; 2014, http://www.kindersicherheit.de/fileadmin/user_upload/ Veranstaltungen/KiSi2014/Factsheet-Schwimmen_lernen.pdf,22. April 2016

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