Der Weg der Nahrung: Verdauung einfach erklärt

Der Weg der Nahrung im menschlichen Körper ist komplex. Hier wird Verdauung einfach erklärt und mit Metaphern untermalt

Wie funktioniert eigentlich die menschliche Verdauung?

Wie sieht der Verdauungstrakt aus?

Ein sehr wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer bewussteren und gesünderen Ernährung ist es, den Weg der Nahrung im menschlichen Körper zu kennen und zu wissen, was überhaupt mit dem Apfel, dem Pfirsich oder dem Fisch passiert, den ich gerade esse.

Grund genug also, diesem Thema einen eigenen und umfassenden Beitrag zu widmen.

Verdauung einfach erklärt. So, dass du es garantiert verstehst.

Packen wir es an!

Was ist eigentlich Verdauung?

Damit die Nahrung, die wir täglich zu uns nehmen, unserem Körper in irgendeiner Form zugutekommt, muss dieser zunächst einige wichtige Arbeitsschritte in Gang setzten.

Unter anderem muss er die Nahrungsmittel, die du ihm zuführst in viele einzelne Bestandteile wie Kohlenhydrate, Fett und Eiweiße (im Fachjargon auch Makronährstoffe) aufspalten.

Ein Prozess, der als Verdauung bezeichnet wird.

Einen ersten groben Überblick über diesen Prozess liefert die nachfolgende Infografik.

Weg der Nahrung in einer übersichtlichen Infografik

Eine Aufspaltung der Nahrung ist zwingend erforderlich, denn erst nach dieser können die einzelnen Bestandteile über das Blut in die Zellen transportiert und dort in Energie umgewandelt werden.

Wenn man so will, ist die Verdauung also einer der wichtigsten Vorgänge im menschlichen Körper.

Dabei beginnt die eigentliche Verdauung nicht erst im Magen-Darm-Trakt, sondern bereits viel früher: im Kochtopf oder in der Bratpfanne. Hier werden die Zellwände der Nährstoffe aufgebrochen und Mineralstoffe freigesetzt. Ein Vorgang, der deinem Verdauungstrakt später dabei helfen kann, die Nahrung besser aufzuspalten.

Erst jetzt beginnt die eigentliche Verdauung, die jedoch nicht (wie du wahrscheinlich denken würdest), im Magen beginnt, sondern viel, viel früher!

Die einzelnen Phasen der Verdauung

Die Verdauung im Körper des Menschen lässt sich in drei große Phasen unterteilen, die wir dir in diesem Kapitel genauer vorstellen möchte.

Phase 1: Cephale Phase und Kauvorgang

Der Begriff „cephal“ stammt aus dem griechischen und lässt sich mit „den Kopf betreffend“ übersetzen.

Richtig!

Die erste Phase der Verdauung beginnt bereits in deinem Kopf.

Durch das Sehen und Riechen der Nahrung, aber auch psychische Reaktionen wie Freude, wird der sogenannte Nervus vagus stimuliert, der vor allem für die Steuerung von Rachen und Speiseröhre verantwortlich ist.

Außerdem wird eine erste Magensaftreaktion ausgelöst. Der Magen bereitet sich auf die bald ankommende Nahrung vor. Zusätzlich wird die Speichelproduktion im Mund angeregt. Dir „läuft das Wasser im Mund zusammen“.

Der Grund für den vermehrten Speichelfluss: Im Mund wird die Nahrung durch Beißen nicht nur zerkleinert, sondern auch mit ersten Enzymen versetzt. So werden Kohlenhydrate zum Beispiel bereits hier bis zu 30 Prozent aufgespalten.

Heißt im Umkehrschluss, dass längeres Kauen deinen Magen und deinen Darm im Rahmen des späteren Verdauungsprozesses deutlich entlasten kann!

Phase 2: Gastrische Phase – Magenphase

Währenddessen du die Nahrung durch Kauen zerkleinerst, sendet dein Gehirn weitere Botenstoffe an den Magen-Darm-Trakt, um hier alles auf die bald eintreffende Nahrung vorzubereiten.

Wird die Nahrung nun geschluckt, gelangt diese über die Speiseröhre in den Magen, wo zunächst durch die sehr saure Magensäure nahezu alle Krankheitserreger abgetötet werden.

Im Anschluss erfolgt die Zerkleinerung der Nahrung.

Dies geschieht durch eine Dehnung der Magenwand, die durch verschiedene Nahrungszutaten wie Eiweiße und Gewürze in Wallung gebracht wird. Im Rahmen anschließend stattfindender Muskelkontraktionen wird die Nahrung wie in einem Betonmischer mit Enzymen und Säure vermischt und immer weiter zerkleinert.

Erst, wenn eine ausreichende Zerkleinerung stattgefunden hat, wird die Nahrung an den Dünndarm abgegeben.

Die Dauer dieses Prozesses hängt übrigens unter anderem entscheidend davon ab, wie gut die Nahrung im Mund zerkleinert wurde und wie fettreich die Nahrung ist. Faustregel: Kohlenhydrate werden binnen zwei Stunden, Fleisch und Fett binnen sechs Stunden zerkleinert.

Ist die Arbeit getan, beginnt sich der Magen wieder zusammenzuziehen.

Eine Kontraktion, die sehr ausgeprägt sein kann und im gesamten Bauchbereich zu spüren und durch ausgestoßene Luft auch zu hören ist: Magenknurren. Je kleiner der Magen wird, desto lauter das Knurren.

Phase 3: Intestinale Phase – Darmphase

Die dritte Phase der Verdauung beginnt, sobald der Magen den Nahrungsbrei in den Dünndarm abgegeben hat.

Hier werden nun Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und Gallenblase zugegeben, welche die zuvor untergemischte Säure des Magens wieder neutralisieren. Außerdem sind diese Verdauungssäfte für die Spaltung von Eiweißen, Zucker und Fett verantwortlich.

Jetzt passiert die eigentliche Magie.

Über die Dünndarmschleimhaut, die knapp 400 Quadratmeter (!) groß ist, werden nun die zuvor gespaltenen Nahrungsbestandteile in das Blutsystem abgegeben.

Über das Blut fließen diese zur Leber, einem Organ, das auch gerne als „Großmarkt für Nährstoffe aller Art“ bezeichnet werden kann.

Folgende wichtige Aufgaben hat die Leber zu erfüllen:

  1. Verteilung der Nährstoffe
  2. Speicherung von Zucker in Form von Glykogen
  3. Cholesterin- und Fettsynthese
  4. Blutreinigung (Schadstofffreies Blut zum Herzen)

Insbesondere die Punkte zwei und drei solltest du dir gut einprägen.

Zu Punkt zwei ist zu sagen, dass der Glykogenspeicher der Leber für circa 12 – 24 Stunden Energie zur Verfügung stellen kann. Erst wenn dieser Speicher geleert ist, werden Signale für den Fettabbau gesendet.

Wird der Glykogenspeicher der Leber also immer wieder gefüllt, kann auch kein Fettabbau stattfinden!

Um Punkt vier zu erklären, die Fettsynthese, muss man etwas weiter ausholen.

Proteine und Kohlenhydrate können relativ einfach über Blutgefäße im Dünndarm aufgenommen und im Anschluss zu den Stellen transportiert werden, an denen bedarf besteht.

Nicht so Fette.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Wer schon einmal Fett in ein Glas Wasser gegeben hat der wird festgestellt haben, dass sich dieses nicht löst.

Weg der Verdauung: Fett lößt sich im Blut nicht auf und kann daher nur schwer transportiert werden. Im Rahmen der Verdauung muss es gespalten werden

Ähnlich ist es auch im menschlichen Blut.

Fette müssen also zunächst für den Transport vorbereitet werden, was durch Lipase-Enzyme bereits im Dünndarm geschieht. Diese zerlegen die Fette in kleine Bestandteile, nämlich freie Fette, Glycerin, sowie Mono- und Diglyceride. Erst jetzt können die einzelnen Bestandteile durch die Darmschleimhaut aufgenommen und weitergegeben werden.

Nun folgt auch schon der letzte Abschnitt der dritten Phase: die Dickdarmphase.

Relativ unspektakulär.

Hier werden letztmalig Mineralien wie Calcium oder auch Wasser entzogen, bevor die Überreste der Nahrung mit einem Schleim überzogen und ausgeschieden werden.

Die Energiespeicher unseres Körpers

Die Verdauung des Menschen hat also das primäre Ziel, den Körper mit Energie zu versorgen.

Energie, die aus folgenden Quellen gewonnen wird:

  • Fett
  • Protein
  • Kohlenhydrate

Wichtig ist zu wissen, wo und wie diese Energie gespeichert wird.

Da gibt es zum einen den Kurzzeitspeicher, der aus Glykogen besteht, das in der Leber gelagert wird. Bei diesem Glykogen handelt es sich um das finale Produkt, das aus Kohlenhydraten gewonnen wird.

Zum anderen verfügt der Körper auch über einen Langzeitspeicher, die berühmten Fettpolster.

Heißt im Klartext: Energielieferanten sind Kohlenhydrate (kurzzeitig) und Fette (langzeitig).

Und was ist mit Protein?

Berechtigte Frage!

Der menschliche Körper hat keine Möglichkeit, Protein zu speichern.

Protein dient also (zunächst) NICHT als Energielieferant, sondern wird benötigt, um wichtige Wachstumsvorgänge im Körper zu realisieren.

Problematisch wird es jedoch, wenn du zu viel Protein (egal, ob pflanzlich oder tierisch) zu dir nimmst. Dies kann nämlich zu einem nicht gewünschten Wachstum und Entzündungen führen.

Außerdem wird überschüssiges Protein in Glukose umgewandelt, das wiederum den Kurzzeitspeicher der Leber füllt und einen Fettabbau verhindert. Noch schlimmer: Ist auch der Speicher der Leber vollständig gefüllt, wandert die aus Proteinen gewonnene Glukose in die Fettspeicher.

Von Kühlschränken und Gefriertruhen

Einen sehr passenden Vergleich zu diesem Thema lieferte der kanadische Arzt Dr. Jason Fung, der die beiden Speicher (Leber und Fettspeicher) im Körper mit Kühlschrank und Gefriertruhe verglich.

Dabei nimmer der Glykogenspeicher der Leber die Rolle des Kühlschranks ein. Fettreserven hingegen entsprechen der Gefriertruhe im Keller.

Die Leber als Kurzzeitenergiespeicher wird in einem sehr treffenden Vergleich mit einem Kühlschrank beschrieben

Wenn wir einen kleinen Heißhunger verspüren, dann werden wir logischerweise auf den Kühlschrank in der Küche zurückgreifen.

Warum sollten wir auch in den Keller gehen, tiefgefrorenes Essen entnehmen und aufwärmen, wenn die Nahrung im Kühlschrank doch deutlich schneller zur Verfügung steht?

Erst dann, wenn der Kühlschrank wirklich komplett geleert ist, werden wir den langen Weg in den Keller auf uns nehmen und die Nahrung aus der Gefriertruhe entnehmen.

Genau so macht es auch unser Körper.

Er ist schlichtweg zu „faul“, die Fettreserven anzugehen, wenn er doch über genügend Energie im Glykogenspeicher verfügt.

Die Bedeutung von Insulin für die Verdauung

Insulin (ein Hormon) spielt eine enorm wichtige und tragende Rolle bei der Verdauung, insbesondere beim Fettstoffwechsel.

Zunächst einmal zur grundlegenden Bedeutung von Insulin.

Das Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und im Rahmen der Verdauung ins Blut abgegeben. Seine Aufgabe: Zellen öffnen.

Grundsätzlich ist jede Zelle durch die Membran, die nichts hinein oder herauslässt geschützt. Das Problem ist, dass auch Zucker, den die Leber als Energielieferant an die Zellen sendet, dadurch nicht passieren kann. Und genau hier kommt das Insulin ins Spiel: Insulin ist also quasi ein Schlüssel für Zellwände.

Grundsätzlich also ein wichtiger Stoff.

Insulin hat jedoch auch einen entscheidenden Nachteil, nämlich im Hinblick auf den Fettabbau.

Wenn du Fett abbauen möchtest, sind zwei Bedingungen erforderlich:

  1. Das Glykogen in der Leber muss vollständig abgebaut sein
  2. Der Insulinspiegel im Blut muss niedrig sein

Essen wir nun dauerhaft zu viel oder auch zu viel zuckerhaltige Speisen, schüttet die Bauchspeicheldrüse hohe Mengen an Insulin aus. Schließlich muss der Zucker ja in die Zellen gelangen, die zunächst aufgeschlossen werden müssen.

Durch den nun vorhandenen sehr hohen Insulinspiegel kann also kein Fett abgebaut werden.

Und es kommt noch schlimmer.

Wenn unsere Zellen genug Energie erhalten haben, werden Zellwände blockiert, selbst für Insulin, sodass kein Zucker mehr hineingelangen kann.

Die Folge liegt auf der Hand…

Der Zucker verbleibt im Blut und erhöht sukzessiv den Blutzuckerspiegel.

Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt.

Die Bauchspeicheldrüse, die annimmt, dass zu viel Zucker im Blut ist, der dringend in Zellen transportiert werden muss, schüttet immer mehr Insulin aus. So steigt auch der Insulinspiegel immer weiter an, was nicht nur einen Fettabbau unmöglich macht, sondern auch die Gefahr für Diabetes immer mehr erhöht.

Insulin ist also Segen und Fluch zugleich, und sollte unbedingt mithilfe einer gesunden und vor allem ausgewogenen Ernährung kontrolliert werden.

Weg der Nahrung – häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn der Glykogen-Speicher voll ist?

Grundsätzlich ist das kein Problem, sondern sogar sinnvoll, wenn du zum Beispiel eine anstrengende sportliche Aktivität planst.

Problematisch ist ein voller Glykogenspeicher dann, wenn sich noch sehr viel Glukose im Blut befindet, du also sehr viel Süßes, viele Kohlenhydrate oder zu viele Proteine zu dir genommen hast. Dann wird die überschüssige Glukose nämlich in Fett umgewandelt und in den dortigen Speichern gelagert.

Aus zu viel Glukose wird also zu Körperfett.

Außerdem kann der Fettabbau nicht in Gang gesetzt werden, wenn der Körper auf den Glykogenspeicher zurückgreifen kann.

Wie lange ist die Verdauungsdauer?

Auf diese Frage lässt sich keine pauschale Antwort geben, da die Verdauungsdauer sehr stark von der zugeführten Nahrung abhängig ist.

Sehr schnell verdaut sind Früchte und viele Gemüsesorten, ausgenommen Brokkoli und Blumenkohl, deren Verdauung bis zu 12 Stunden andauern kann. Die gleiche Verdauungsdauer weist übrigens weißer Reis auf.

Zu den schwer verdaulichen Lebensmitteln gehören Fleisch (24 bis 72 Stunden), Fisch (ca. 20 Stunden), Nüsse und Samen (18 bis 24 Stunden) oder Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen (ca. 15 Stunden).

Wo beginnt die Verdauung im Körper?

Die Verdauung beginnt mit der cephalen Phase bereits im Kopf. Durch Gerüche, Eindrücke und psychologische Trigger werden erste Verdauungsprozesse in Gang gesetzt, die unter anderem den Magen-Darm-Trakt auf die zugeführte Nahrung vorbereiten.

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