Die richtige Matratze für Übergewichtige

Guter Schlaf ist für alle wichtig. Aber insbesondere wenn man etwas mehr wiegt, ist die Auswahl der geeigneten Matratze entscheidend. Nicht weil der Schlaf bei höherem Gewicht einen anderen Stellenwert hat, aber weil es mehr zu beachten gibt, um die richtige Matratze zu finden. Denn bei höherem Gewicht wird der Körper druckempfindlicher und damit anspruchsvoller an die Liegeeigenschaften einer Matratze. Zusammen mit dem Experten Dr. Dennis Schmoltzi von Dormando haben wir uns daher die Frage gestellt, welche Matratze ab 110 kg Körpergewicht die Richtige ist.

Entscheidungskriterien beim Matratzenkauf

Bei Übergewicht stehen insbesondere 6 Kaufkriterien im Vordergrund: Härtegrad, Höhe, Zonierung, Atmungsaktivität, Langlebigkeit und Preis.

Härtegrad

Der Härtegrad wird von H1 (sehr weich) bis H5 (sehr hart) klassifiziert. Hersteller geben oft pauschal die Empfehlung, ab 110 kg eine H4 und ab 140 kg eine H5 Matratze zu nehmen.

Abgesehen von dem Umstand, dass man immer die Körpergröße mit einberechnen sollte, braucht kein Übergewichtiger eine H5 Matratze. Denn nur weil man schwerer ist, sollte man nicht einfach eine festere Matratze nehmen.

Vielmehr wird man mit mehr Gewicht auch druckempfindlicher. Ein Dormando-Kunde mit 150 kg Körpergewicht hat entsprechend mal eine H5-Matratze mit dem Kommentar „Modell Parkbank“ zurückgeschickt und erst in der persönlichen Beratung erfahren, dass die Herstellerangabe leider ungeeignet ist.

Wieso gibt es dann aber überhaupt diesen Härtegrad? Zum einen aus Unwissenheit in der Industrie: Matratzen werden meist nicht von Personen konzipiert, die wirklich übergewichtig sind. Zum anderen aus reinen Gewährleistungsgründen: Viele Matratzen in mittel-fester Härte H3 würden bei 150 kg Körpergewicht keine 2 Jahre überstehen, ein „Modell Parkbank“ dagegen schon.

Empfehlung: Für den Komfort auch bei hohem Körpergewicht eine H4 und keine H5 Matratze nehmen.

Matratzen-Höhe

Die Höhe der Matratze ist bei Übergewicht ebenfalls entscheidend. Jedem sollte klar sein, dass bei geringer Bauhöhe auch kaum Material zum Einsinken vorhanden ist. Bei normalem Körpergewicht wird oft ca. 21 cm Gesamthöhe empfohlen.

Ist man etwas schwerer, steigen der Körperumfang und damit auch der Bedarf, etwas weiter einsinken zu können. Daher sollte die Matratze eine Gesamthöhe von mindestens 23 cm haben.

Zonen der Matratzen

Eine gute Matratze ist immer in Zonen eingeteilt. Aber gerade bei Übergewicht wird es noch mal wichtiger, dass der Hüftbereich ausreichend fest ist, die Schulter aber gerade bei Seitenschläfern soft ausfällt. Hier ist wirklich auf die Qualität dieser Zonierung zu achten.

Bei günstigeren Matratzen wird oft im Schulter- und Hüftbereich die gleiche Festigkeit verbaut. Das führt aber gerade bei Übergewicht dazu, dass die Schulter zu fest und die Hüfte viel zu soft ist. Am Ende liegt man wie ein Korken auf dem Wasser: schief.

Insofern ist darauf zu achten, dass hier wirklich mit unterschiedlichen Festigkeiten in der Schulter- und Beckenzone gearbeitet wird.

Atmungsaktivität

Mit Übergewicht geht leider auch oft einher, dass man mehr schwitzt. Insofern ist es wichtig, bei der Matratze auf eine gute Atmungsaktivität zu achten.

Die pauschale Aussage, dass Taschenfederkern-Matratzen durch den Hohlraum im Inneren dabei besser sind als Schaumstoffmatratzen, ist dabei zu relativieren. Taschenfederkernmatratzen können sehr gut sein, sofern die Schaumstoffabdeckung, die auf jeder Federkernmatratze vorhanden ist, offenporig genug oder gar durchbohrt ist, um die Luftzirkulation überhaupt zuzulassen.

Zudem gibt es insbesondere Kaltschaummatratzen, die sehr atmungsaktiv sind, da sie sehr offenporig sind und horizontale und vertikale Bohrungen enthalten, die wie Klimakanäle funktionieren. Nicht empfehlenswert sind allerdings Viscoschäume, die wenig offenporig sind und fast nie Klimakanäle umfassen.

Das Bettklima lässt sich darüber hinaus entscheidend über den Bezug und noch mehr über die Bettdecke regulieren. Wenn man sehr stark zum Schwitzen neigt, sollte man auf einen Bezug mit Cellulose-Fasern, wie Viskose oder Tencel zurückgreifen. Diese Fasern geben Feuchtigkeit sehr gut ab und führen so zu einem trockeneren Bettklima. Und man sollte nicht vergessen, dass ca. 70 % die Bettdecke ausmacht. Hier sind besonders Decken mit Tierhaaren hervorragend: Schafschurwolle, Kamelhaar oder Kaschmir.

Langlebigkeit

Einer der entscheidenden Punkte in der Optimierung ist die Langlebigkeit der Matratze bei Übergewicht. Der durchschnittliche Deutsche tauscht seine Matratze nur alle 10 Jahre aus.

Wenn man bedenkt, dass bei vielen Matratzen außerhalb des Modells Parkbank die Haltbarkeit ab 110 kg eher 1-3 Jahre beträgt, dann hätte man 7-9 Jahre schlechten Schlaf, weil i.d.R. die Hüfte schnell durchgelegen ist. Daher sollte man sich entweder klar machen, dass man alle 2 Jahre die Matratze austauscht, oder sich etwas kaufen, was zumindest eher 5 Jahre hält. Bei Schaumstoffmatratzen ist hierbei auf das Raumgewicht zu achten, eine Qualitätsangabe zur Dichte des verwendeten Materials. Raumgewichte ab 50 kg/m³ sind ok, besser sind Produkte mit Raumgewichten von 55-70 kg/m³.

Bei Federkernmatratzen geht es auch um die Qualität der Schaumstoffabdeckungen und um die Anzahl der Windungen der Federn im Inneren. Mehr Windungen bedeuten eine bessere Dynamik und eine bessere Langlebigkeit.

Weniger entscheidend ist übrigens die Anzahl der Federn, sofern diese zumindest über ca. 450 Federn liegen. Der oft beworbene 1000-Federn-Standard ist bei günstigeren Matratzen oft reines Marketing und keine Aussage über die wirkliche Qualität der Matratze.

Preis

Am Ende steht natürlich auch der Preis als wichtiges Entscheidungskriterium. Leider lässt sich aber nicht die eierlegende Wollmilchsau für 100 Euro finden.

Eine vernünftige Matratze für Übergewichtige liegt eher bei 500 Euro (90×200 cm), richtig gute Matratzen sogar im Bereich von 800 bis 1.000 Euro.

Hinzu kommen die Kosten für den richtigen Unterbau: die Wirkung des Lattenrosts darf nicht unterschätzt werden. Vor allem günstige Lattenroste neigen dazu, dass Sie in der Mitte entweder zu viel nachgeben und man immer zur Mitte hin rollt oder als XXL-Variante einfach nur wieder extra hart gebaut werden. Ein gutes Lattenrost für stark Übergewichtige mit gleichmäßigem Einsinkverhalten fängt insofern auch eher bei 300 Euro an.

Wenn man sich aber mal überlegt, dass viele Menschen zehntausende Euro für ein Auto ausgeben, in dem man selbst als regelmäßiger Fahrer oft weniger als 1 Stunde pro Tag verbringt, man aber 1/3 seines Lebens im Bett liegt, fällt einem das Missverhältnis auf.

Empfehlungen: Matratzen für Übergewichtige

Taschenfederkern

Preis-Leistungs-Tipp: Cumulus Ergo T in H4 – ab 249 Euro
22 cm Höhe, punktelastisch wirkende Taschenfedern (bei einer Größe von 100×200), 7 körpergerechte Liegezonen für gute Anpassung an die einzelnen Körperzonen, komfortabler Soft-Touch-Schaum im Bezug versteppt

Qualitätstipp: Rummel MyRummel 575 TFK in extra fest – ab 849 Euro
24 cm hoch, 7 Zonen Tonnentaschenfederkern-Matratze, hochgradig punktelastisch dank einzeln etwa 1000 verarbeiteter Federn in Tonnenform (Größe 100×200), ergonomische und sehr komfortable Sandwich-Polsterung mit hohem Raumgewicht. Extrem bequem.

Lattenrost: Röwa Basic N – ab 249 Euro
28 breite Leisten für eine optimale Auflagefläche für Taschenfederkern, aus deutschem Buchenholz, spezielle Schulterabsenkung, hervorragend für Seitenschläfer

Kaltschaum

Preis-Leistungs-Tipp: Hukla Emotion Pro KS in H4 – ab 499 Euro
24 cm hoch, gut zoniert, Kaltschaum mit Raumgewicht 55, Bezug mit 40 % Tencel

Qualitätstipp: Werkmeister Premium Pur Plus in fest – ab 945 Euro
21 cm hoch, Qualitätsschaum mit extrem hohem Raumgewicht garantiert eine extrem lange Formstabilität ohne Kuhlenbildung, perfekte Körperanpassung durch aufwendige Zonen und Lordose-Formteil. Sehr gutes Liegegefühl.

Lattenrost: Werkmeister Reguflex Duo Plus N – ab 499 Euro
Sehr guter, komplett gleichmäßig federnder Lattenrost dank Lagerung mit sehr langlebigen Edelstahlfedern an der Seite, sehr progressives Einsinkverhalten, dadurch selbstregulierend, perfekt auch für Doppelbetten, da das gleichmäßige Einsinken den Besucherritzeneffekt minimiert