So manipuliert dich die Lebensmittelindustrie

In einer Zeit, in der überall von Übergewicht gesprochen wird, werden Schlagworte wie „Kalorienzählen“, „geringer Fettgehalt“, „kohlenhydratarm“ oder „enthält geringe Mengen an Zucker“ wie Helden der Antike gefeiert und vergöttert. Wenn wir uns aber die Resultate aktueller Studien ansehen und dabei feststellen, dass etwa 50 % der heutigen Bevölkerung (Tendenz steigend) mit Übergewicht und sogar Fettleibigkeit zu kämpfen hat, haben die o.g. Helden anscheinend auf ganzer Linie versagt. Sicher ist, irgendetwas läuft verkehrt!

Während wir Deutschen wie verrückt Kalorien zählen und jedem Diätwahn der Amerikaner, ob Low Carb oder Low Fat, nacheifern, haben wir es längst verlernt, uns bewusst zu ernähren. Statt nun endlich die Notbremse zu ziehen, werden wir immer fetter und kranker.

Was unsere Gesellschaft heute von Ernährung versteht

Wissenschaft und Medizin haben diese Entwicklung längst zielsicher auseinander analysiert und versuchen seit Jahrzehnten diesem Teufelskreis Einhalt zu gebieten. Jahr für Jahr werden neue Erklärungsansätze und mögliche Lösungen präsentiert.

So schien man bereits den Stein der Weisen gefunden zu haben und schob zunächst der zu hohen Kalorienzahl einzelner Nahrungsmittel den schwarzen Peter zu. Mit dem Ansatz, sich kalorienarm zu ernähren, schien man eine Lösung gefunden zu haben.

Dem war leider doch nicht so…

Schon kurze Zeit später entdeckte man Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße als Hauptdarsteller unter den Energieträgern. Bei genauerer Betrachtung war schnell ein neuer Bösewicht ausgemacht. Da ein Gramm Fett ca. 9 kcal in sich trägt, galt es von nun an Fett zu vermeiden. Doch nach jahrelanger, fast schon traditionell fett- und kalorienarmer Ernährung erkannte man auch hier, dass diese Variante nicht zur Ausrottung von Übergewicht führen konnte.

Nun mussten wahre Helden geboren werden…

Und so konnten Lebensmittelhersteller endlich ihren stärksten Ritter ins Rennen schicken. Weniger Kohlenhydrate sollte von nun an die Devise lauten. Die Ära der Light Industrie erhob sich wie Phönix aus der Asche. Mit der gigantischen Entwicklung und Produktion von Light Lebensmitteln, bei denen einfacher Zucker durch industriellen Süßstoff ersetzt wird, sollte sich von nun an ein riesiges Heer gegen die drohende Übermacht des Übergewichts stellen. Doch selbst diese zahlenmäßig so gut aufgestellten Lebensmittelaufklärer mussten sich dem anhaltenden Trend des immer dicker Werdens geschlagen geben.

Und so stehen wir nun wieder am Anfang…

Ohne sich diese Schmach je eingestehen zu wollen, haben wir Deutschen mit der Verdopplung von Übergewicht und einem vier- bis fünffachen Anstieg von Zivilisationskrankheiten zumindest ein Ziel erreicht. Wir stehen heute endlich wieder an der Spitze der westlichen Industrienationen.

Mit Dank an die industrielle Aufklärung

Dank ihrer jahrzehntelangen, intensiven und vor allem geschickten Öffentlichkeitsarbeit hat sich die Lebensmittelindustrie heute zu einem regelrechten Heilsbringer entwickelt. Ihre Ernährungsthesen stehen für Gesundheit sowie Ausgewogenheit und verdienen dafür natürlich nicht nur unser aller Respekt. Selbstverständlich müssen derart kühne Leistungen auch milliardenschwer be- und entlohnt werden. Unser Konsumwahnsinn macht es möglich.

Doch wie kann es sein, dass Tausende von Produkten als Gesund- und Schlankmacher auf dem Markt platziert werden und wir trotzdem Jahr für Jahr mehr auf den Hüften mit uns herumzutragen haben?

Was wir alle nicht wissen (dürfen), ist das mittlerweile jedes größere Nahrungsmittelunternehmen mit so genannten unabhängigen Instituten zusammen arbeitet. Hinter den als neutral verschrieenen privaten Prüf- oder Bewertungsorganisationen stecken in Wahrheit Industrielobbyisten, die mehr in die Forschung als in die Gesundheit investieren. Die Forschungseinrichtungen der Lebensmittelindustrie können so, auch ohne größere Finanzspritzen durch öffentliche Gelder, immer weiter ausgebaut werden. Eingekaufte Professoren und Doktoren können in aller Seelen Ruhe mit Aromen, Farbstoffen und Bindemitteln herumexperimentieren und jedes Jahr neue innovative Lebensmittel auf den Markt werfen.

Der Food Stylist war geboren!

Unter dem Deckmantel, die Auswirkungen bestimmter Lebensmittel auf den Organismus zu analysieren, ist es in Wahrheit lediglich die Suche nach kostengünstigeren Alternativen. Wirtschaftlich oberstes Ziel: Substanzen entwickeln, die genauso aussehen, schmecken und womöglich auch so riechen, wie ihre natürlichen Kontrahenten.

Selbst wenn die Spatzen es von den Dächern rufen, dass uns eben die Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße die tagtäglich benötigte Energie verleihen, werden diese selbstverständlich ins Abseits gestellt und durch chemische Substanzen, die uns einen wahren Gaumenschmaus vortäuschen sollen, ausgetauscht.

Dank der ach so neutralen Prüforganisationen entwickelt sich die Gesundheitsprüfung zu einer rein formellen Angelegenheit. Ist der Prüfbericht einmal erstellt, ist es ein Leichtes, dank Milliarden von Geldern, die Medien von der neuartigen Qualität zu überzeugen. Liegt ein Gesundheitszeugnis vor, muss ja etwas Wahres dran sein.

Auf diese Art und Weise stellen Food Stylisten Monat für Monat ihre neuen Kreationen vor und schaffen es, diese mittels Zeitschriften, Magazinen und Fernsehspots in der Medienlandschaft anzupreisen. Die Konsumenten, die mit Schlagwörtern wie „leicht“, „natürlich“, „kalorienarm“ oder „geschmacksecht“ zu bombardiert werden, lassen sich von bunten Bildern regelrecht überrennen und von den unschlagbaren Preisen ködern. Da die verschiedenen Medien „neue“ Erkenntnisse gleichermaßen publizieren, fragt am Ende kaum noch jemand nach richtig oder falsch und schon gar nicht nach Inhalt und Qualität.

Der Glaube, dass das was wir essen, richtig sei, ist mittlerweile tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.

Womit die Lebensmittelindustrie uns manipuliert

Schnelles einfaches Essen vs. gesunde, selbst gekochte Nahrung.

Was hält uns eigentlich davon ab, uns gesund zu ernähren? Der Faktor Zeit spielt bei der Beantwortung dieser Frage die entscheidende Rolle und bietet gleichzeitig für die Lebensmittelindustrie den perfekten Spielplatz zur Manipulation!

Wer kennt die Situation nicht? Es soll nur ein gemütlicher Fernsehabend werden. Dazu eine Handvoll Gummibärchen, ein paar Chips und maximal ein oder zwei Schokoriegel. Doch plötzlich ist alles verputzt und man holt sich sogar noch Nachschlag.

Es sind die Aromen, Farbstoffe und Bindemittel, die unser menschliches Gehirn ködern und diesen plötzlichen Heißhunger verursachen. Wer einmal anfängt, kann kaum noch aufhören. „Satt sein“ erhält plötzlich eine ganz neue Definition. Selbst wenn wir schon merklich genug gegessen haben, verlangen unsere Geschmacksnerven nach mehr. Der Verzehr von Lebensmitteln wird zu einem Spießrutenlauf.

Das Alles ist kein Zufall, sondern geplante Manipulation. Haben wir einmal den Köder geschluckt, kommen jetzt erst die wirklich fiesen Genussmittel zum Einsatz.

Zu viel Salz, reichlich tierische Fette, dazu einfache Zucker. Schon wird die Produktion von Botenstoffen angeregt, die in uns ein riesiges Hungergefühl auslöst. Den Begriff Heißhunger kennt heutzutage jeder, selbst wenn wir in unserer aufgeklärten Welt etwas wie Hunger vermutlich niemals verspüren werden.

Welche Taktiken setzen Lebensmittelhersteller ein?

Um bloß nichts wegwerfen zu müssen, wird ein Tier nach der Schlachtung heute fast vollständig verarbeitet. Mittels aufwendiger Prozesse kann nahezu alles genießbar gemacht werden. So werden zahlreiche Lebensmittel mit tierischen Abfallprodukten (tierische Fette = gesättigte Fettsäuren) versetzt und uns anschließend auf dem Präsentierteller ausgebreitet.

Mit der Zielsetzung, unseren Appetit anzuregen und anschließend Geschmacksnerven auf unserer Zunge zu aktivieren, werden Farben und Gerüche verwendet und dadurch zu einer wahren Verlockung. Dem Konsumenten bleibt gar nichts anderes übrig als zuzugreifen.

Durch die erhöhte Fettzufuhr wird unsere Leber dazu angeregt, Enzyme zur Fettverdauung zu produzieren. Mit der Folge, dass unser Sättigungsgefühl unterdrückt und der Heißhunger auf noch mehr fetthaltige Nahrung erhöht wird, bleibt es leider nicht aus, dass die eine Tüte Gummibärchen oder die eine Packung Schokolade nicht ausreicht, um unser Bedürfnis zu stillen.

Auch vom Zucker hat sicher schon jeder etwas gehört. Je einfacher der Zucker, desto lukrativer das Geschäft!

Ernährungsexperten sprechen heute bewusst von guten (komplexen) und bösen (einfachen) Zuckern. Als regelrechter „Glücklichmacher“ verschrien, setzt die Lebensmittelindustrie einfache Zucker und süße Geschmäcker bewusst ein, um die Produktion von Glückshormonen anzuregen.

Mit der Folge, dass Süßes eine ausgeglichene Stimmung und gute Laune erzeugt, entsteht in Wahrheit nichts anderes als psychologische Abhängigkeit. Körperliche Folgen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme, lassen nicht lange auf sich warten.

Einfache Zucker kann unser Körper sehr schnell verarbeiten. Während seines Abbaus steigt unser Blutzuckerspiegel drastisch an. Um diesen wieder zu senken und um den Zucker dahin zu transportieren, wo er gebraucht wird (in den Muskel- und Leberzellen), wird das Hormon Insulin ausgeschüttet. So schnell wie der Blutzuckerspiegel anstieg, sinkt er auch wieder. Als reiner Spielball bewusst platziert, beginnt die Heißhunger-Achterbahnfahrt und in uns entsteht die uneingeschränkte Lust auf Mehr.

Nach fett und süß, fehlt richtigerweise noch salzig.

Auch Salz kann bewusst als Lockmittel eingesetzt werden. Bei der Aufnahme von Salz mit der Nahrung werden in unseren Zellwänden Botenstoffe ausgeschüttet, die in uns ein stimulierendes, regelrecht befriedigendes Gefühl auslösen. Von Nahrungsmittelherstellern in riesigen Mengen verarbeitet, kann ein zu viel an Salz in uns ein regelrechtes Verlangen nach mehr auslösen.

Bekanntermaßen boomt die Chipsproduktion und schafft es Jahr für Jahr den Deutschen in den Heißhungerwahnsinn zu treiben.

Blicken wir in eine ausgewogenere Zukunft

Selbst wenn wir uns mit all diesen Themen konfrontieren, macht es keinen Sinn jemanden außer uns selbst die Schuld an unserem Übergewicht und den damit verbundenen Problemen zu geben.

Nicht die Lebensmittelindustrie, noch der Stress an der Arbeit oder das zu wenige Geld, was uns zur Verfügung steht, ist Schuld an dieser Misere. Jeder von uns steckt sich die Gabel selber in den Mund. Die Zeit, in der wir Deutschen gefüttert werden mussten, ist unlängst vorbei. Wir müssen Verantwortung übernehmen und den Kopf beim Einkauf endlich nach oben nehmen.

Das Ende kann ein Anfang sein…

Vielleicht schauen wir beim nächsten Besuch im Supermarkt einmal genau darauf, was wir kaufen möchten. Auch ohne zu wissen, was hinter Bezeichnungen wie E 340 oder E 471 stecken soll, scheint es doch mehr als einleuchtend zu sein, dass es weder etwas mit Kohlenhydraten oder Fetten, noch mit Vitaminen oder Spurenelementen zu tun haben kann. Die Einzigen, die diese Lebensmittellegenden verstehen, sind die uns spätestens jetzt bekannten Food Stylisten.

Ebenfalls scheint es berechtigt, nach Aromen und Antioxidationsmitteln zu fragen. Wofür brauche ich diese Substanzen an meinen Nudeln, in meiner Suppe oder in meinem Joghurt? Die Antwort lautet: „Ich weiß es selber nicht!“

Eine Sache sollten wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Wenn wir uns bei einer Sache nicht sicher sind, worauf wir uns da einlassen, dann tun wir sie einfach nicht. Orientieren wir uns daran und an dem was uns die Natur mit auf den Weg gegeben hat, werden wir zielsicherer zu gesunden Produkten greifen. Denn keiner sagt uns, dass wir Nahrungsmittel, die neben den uns bekannten Nährstoffen mit Aromen, Antioxidantien und verschiedenen E’s ergänzt werden, essen sollen.

Nahrungsaufnahme darf, nein muss ein Genuss sein. Und Genuss heißt auch kulinarische Feste zu feiern. Es gibt keine verbotenen Nahrungsmittel. Hin und wieder ein Stück Schokolade, ein Glas Rotwein oder ein gutes Stück Fleisch ist nicht der Grund für unser Übergewicht. Es ist der maßlose Umgang mit Lebensmitteln.

Wir entscheiden darüber, wie viel Salz wir verwenden. Wir entscheiden, wie viel Zucker unser Kuchen haben soll und wir entscheiden auch darüber, wie viel Fett wir täglich brauchen.

„Nicht zu viel, nicht zu süß, nicht zu salzig, nicht zu fett!“, ist die einzige Regel, die uns tatsächlich helfen wird, Nahrung zu verstehen.

Verstehen wir Bezeichnungen auf Lebensmittelverpackungen nicht, dann lassen wir diese Lebensmittel einfach weg! Wenn wir wissen, aus welchen Komponenten unser Essen besteht oder sind über die Herkunft und Produktion im Bilde, steht einem Genuss nichts mehr im Weg.

Haben wir dieses einfache Prinzip erst einmal verstanden, werden wir uns gesünder und ausgewogener ernähren und endlich lernen, was es bedeutet, satt zu sein.