Warum zu wenig Essen zu mehr Gewicht führt

Immer wieder machen Abnehmwillige gleich zu Beginn ihres Abnehmens einen großen Fehler: Sie essen zu wenig.

Weniger Essen = Schneller Abnehmen?

Es erscheint ja auch logisch. Bisher hast du zu viel gegessen und dadurch zugenommen. Jetzt isst du also deutlich weniger und bist davon überzeugt, dadurch abzunehmen. Dabei glaubst du dem Mythos: “Je weniger ich esse, desto schneller nehme ich erfolgreich ab.”

Doch die Sache hat einen Haken: Dein Körper spielt nicht mit.

Was bedeutet zu wenig Essen?

Damit meine ich, dass du über längere Zeit deutlich unter deinem Grundumsatz isst. Der Grundumsatz ist die Energie, die dein Körper täglich bei völliger Ruhe benötigt, damit wichtige Körperfunktionen wie die Atmung, die Verdauung, der Herzschlag und der Stoffwechsel ohne Probleme ablaufen können. Es ist kein großes Problem, wenn du ab und zu für ein paar Tage sehr wenig isst, wie z.B. beim Fasten. Der Körper kann dies ganz gut kompensieren.

Solltest du allerdings für mehr als nur ein paar Tage sehr wenig essen, beginnt dein Körper, sich anzupassen. Dir muss dabei klar sein, dass er in so einer Situation nur ans Überleben denkt. Dein Körper weiß nicht, dass du einfach schlanker sein willst und jederzeit zum Kühlschrank gehen könntest.

Das passiert bei einem zu großen Kaloriendefizit

Dein Körper will nicht abnehmen. Er möchte am liebsten die Fettpolster als Reserve für Notzeiten behalten. Er wehrt sich sozusagen gegen die Abnahme und wird früher oder später Gegenmaßnahmen ergreifen, um das Überleben zu sichern.

Die folgenden Anpassungen finden bei jeder Abnahme statt. Je weniger du allerdings isst, desto gravierender wird dein Körper darauf reagieren.

Wenn du nun über mehrere Wochen sehr wenig isst und ein großes Kaloriendefizit erreichst, wirst du deutlich an Gewicht verlieren. Vorweg sei erwähnt, dass du dabei nicht nur Körperfett, sondern meist auch fettfreie Masse (vor allem Muskeln) und anfänglich bei Low Carb auch Wassereinlagerungen abbaust.

Dein Körper reagiert auf diese von ihm als Hungersnot wahrgenommene Situation durch hormonelle Veränderungen. Unter anderem gehen Leptin, Schilddrüsenhormone und Testosteron nach unten. Hormone wie Adrenalin und Cortisol gehen nach oben. Dein Körper gibt dadurch nicht mehr so bereitwillig überschüssiges Körperfett ab und will dich durch mehr Hunger dazu animieren, wieder mehr zu essen.

Auf folgenden Wegen wird Energie eingespart:

  • Durch deinen Gewichtsverlust sinkt der Grundumsatz.
  • Weil du jetzt leichter als zuvor bist, verbrennst du auch beim Sport weniger Kalorien, da weniger Körpermasse bewegt werden muss.
  • Da du weniger isst, muss dein Körper weniger Energie für die Verdauung aufbringen.
  • Die hormonellen Anpassungen sorgen bei vielen Abnehmwilligen dafür, dass sie sich häufiger antriebslos fühlen. In der Folge bewegen sie sich weniger über den Tag und verbrennen somit auch nicht mehr so viele Kalorien wie bisher.
  • Es gibt eine sogenannte anpassungsfähige Komponente. Wenn du zum Beispiel 10 kg verlierst, könnte man berechnen, dass sich deine Stoffwechselrate um 10 % reduziert. Misst man dann allerdings nach, stellt sich heraus, dass deine Stoffwechselrate 15 % niedriger ist. Dies ist hormongesteuert und hängt unter anderem von deiner Genetik und wie lange du schon am Abnehmen bist ab. Gerade wenn du für längere Zeit wenig isst, kann es passieren, dass dein Grundumsatz stärker abfällt als gedacht.
  • Je weniger du isst, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass du nicht genügend Proteine zu dir nimmst. Wenn dir zudem die Energie für ein Krafttraining fehlt, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur Körperfett, sondern auch fettfreie Masse (vor allem Muskeln) verlieren. Da Muskeln aktive Körpermasse sind, verbrauchen sie mehr Energie als Fett. Verlierst du Muskeln, sinkt also dein Kalorienverbrauch stärker.

All diese Punkte sorgen über die Zeit dafür, dass dein Kalorienverbrauch nach unten geht und das Kaloriendefizit immer weiter schrumpft. Am Anfang hattest du vielleicht ein Defizit von über 1000 kcal. Nach all den Stoffwechselanpassungen ist es gut möglich, dass sich dein Defizit mehr als halbiert hat und du beispielsweise nur noch 400-500 Kalorien täglich einsparst.

Mit der Zeit wirst du also immer weniger abnehmen und musst daher immer weniger essen, um weiter an Gewicht zu verlieren. Wenn du allerdings bereits sehr wenig isst, wird es dir immer schwerer fallen, noch weniger zu essen.

Ich möchte an dieser Stelle klar schreiben, dass es durch die Stoffwechselanpassungen des Körpers nie zum kompletten Abnehmstopp kommt. Egal wie wenig du isst, solange du ein Kaloriendefizit erreichst, wirst du auch abnehmen, allerdings immer langsamer, immer schwerer und mit immer größeren Auswirkungen auf deine Gesundheit. Als Beispiel sind hier Magersüchtige zu nennen, die immer mehr Körperfett verlieren, bis sie komplett abgemagert sind.

Warum du kein Gewicht verlierst

Ein weiterer Punkt, der häufig übersehen wird, ist der Stress. Wenn du sehr wenig isst, dazu noch intensiv Sport treibst und dir ständig über dein Gewicht Gedanken machst, hast du einen hohen Cortisolspiegel (Cortisol = Stresshormon). Dies führt vermehrt zu Wassereinlagerungen von bis zu 3-4 kg, vor allem bei Frauen während der Periode.

Wie oben bereits erwähnt, wird mit der Zeit dein Kaloriendefizit immer kleiner, so dass du vielleicht noch 0,5 kg die Woche an Körperfett verlierst. In 4 Wochen würdest du damit 2 kg abnehmen. Hast du aber in der Zeit zum Beispiel 2 kg an Wassereinlagerungen, wird dir deine Waage keine niedrigere Zahl anzeigen. So kommt es vor, dass sich dein Gewicht für 4 bis 8 Wochen nicht verändert, obwohl du in der Zeit weiter Körperfett abgebaut hast. Der Frust darüber sorgt für noch mehr Stress, mehr Cortisol und weitere Wassereinlagerungen.

Warum du mit zu wenig Essen nur schwer dauerhaft abnehmen kannst

Durch all die hormonellen und Stoffwechselanpassungen verbrauchst du immer weniger Kalorien, wirst dich meist bescheiden dabei fühlen und vermehrt gegen den Hunger ankämpfen müssen. Irgendwann wirst du wieder mehr essen.

Bei vielen ist es dann so, dass sie von einem Extrem ins andere gehen und schlagartig wieder deutlich mehr essen. Da du aber jetzt weniger Kalorien als vorher verbrauchst, wirst du schneller zunehmen und häufig wieder so viel wie vorher wiegen. Den wenigsten gelingt es, sich dauerhaft zu kontrollieren und die Kalorienzufuhr nur mäßig zu steigern.

Mehr essen und langsamer Abnehmen

Wenn du mehr isst, fallen die Anpassungen des Körpers weniger gravierend aus. Durch den Gewichtsverlust sinken zwar auch dein Grundumsatz sowie die verbrannten Kalorien beim Sport und der Verdauung. Dafür fallen die hormonellen Änderungen geringer aus, so dass du dich meistens noch besser fühlst, dich mehr bewegst und weniger von Hunger geplagt wirst, was das Risiko von Fressattacken verringert. Zudem stellst du durch eine ausreichende Kalorienzufuhr sicher, dass du deinen Körper mit allen essentiellen Makro- und Mikronährstoffen ausreichend versorgst.

Die Empfehlung lautet daher: Entscheide dich für ein kleines Kaloriendefizit, nimm langsamer ab und schaffe damit bessere Voraussetzungen, um dein Gewicht dauerhaft zu halten.

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