Low Carb Diät – Überbewerteter Trend oder gesunder Ernährungsstil?

Low Carb Diät – Überbewerteter Trend oder gesunder Ernährungsstil?

Die Low Carb Diät gehört mittlerweile zu den beliebtesten Diäten bzw. Ernährungsstilen. Doch immer wieder kommt auch Kritik am Ernährungskonzept auf. Was ist also wirklich dran an Low Carb?

Was ist Low Carb?

Der Begriff Low Carb kommt aus dem Englischen und leitet sich aus den Begriffen Low (engl. niedrig) und Carbohydrates (engl. Kohlenhydrate) ab. Die Diät beschreibt demnach einen kohlenhydratarmen Ernährungsstil.

Die Idee der kohlenhydratarmen Ernährung existiert dabei bereits seit dem 18. Jahrhundert, als der Mediziner John Rollo mit diesem Konzept Diabetiker behandelte. Bekannt wurde der Ansatz jedoch erst 1972 mit der Veröffentlichung der Atkins Diät von Dr. Robert Atkins. Sein Ernährungsplan war besonders in den USA beliebt, wurde jedoch auch häufig aufgrund der einseitigen Ernährung mit Fett, Fleisch und Fisch kritisiert.

Mit einer überarbeiteten Version, entsprechend des aktuellen medizinischen Stands, erhielt die Atkins Diät ihre Anerkennung und Berechtigung. Mittlerweile gibt es viele Varianten der Low Carb Diät, sodass man nicht mehr wirklich von einer Diät, sondern einem grundlegenden Ernährungskonzept sprechen kann, bei dem die Aufnahme von Kohlenhydraten individuell reduziert wird.

Low Carb – so funktioniert es

Wer sich für eine Low Carb Diät entscheidet, muss sich zunächst entscheiden, ob den klassischen Ansätzen oder dem glykämischen Index gefolgt werden soll.

Bei einer klassischen Low Carb Ernährung (z.B. Atkins Diät, Lutz-Diät oder Low Carb High Fat) geht es um die generelle Reduzierung von Kohlenhydraten durch Beschränkung der Menge von sogenannten Broteinheiten.

Der glykämische Index (z.B. Logi-Methode, Glyx-Diät) beschäftigt sich hingegen mit der Art der aufgenommen Kohlenhydrate, wobei jedem Lebensmittel ein Index zugewiesen wird.

Videoquelle: lowcarbdiaet

Grundsätzlich bleibt das Grundprinzip der erlaubten und verbotenen Lebensmittel jedoch gleich. Hierbei kann auch individuell festgelegt werden, wie streng die Ernährungsregeln aufgestellt werden.

Erlaubte Lebensmittel: Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, grünes Gemüse, Beeren, Wasser, ungesüßter Tee

Verbotene Lebensmittel: Hülsenfrüchte, spezielle Obstsorten (z.B. Bananen), Teigwaren, Kartoffeln, Reis, Süßwaren, süße Getränke

Low Carb Diät

Bildquelle: 121doc

Warum keine Kohlenhydrate?

Kohlenhydrate haben einen starken Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und damit auf die Regulierung bzw. das Einsetzen des Hungergefühls. Kohlenhydrate werden in Zucker aufgespalten und sorgen damit für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Nach dem Abfall des Spiegels entsteht für gewöhnlich ein erneutes Hungergefühl.

Je nach Art der Kohlenhydrate kann der Anstieg des Blutzuckers schnell erfolgen, was einen ebenso schnellen Abstieg und somit baldiges Hungergefühl zur Folge hat. Dies geschieht bei sogenannten Monosacchariden (Einfachzucker). Polysaccharide (Mehrfachzucker) können aufgrund ihrer langkettigen Struktur hingegen nur stückweise und langsam aufgespalten werden. Daher steigt der Blutzuckerspiegel hier schrittweise an und fällt nicht abrupt ab. Das Sättigungsgefühl bleibt länger bestehen.

Glukose oder andere Zuckerarten enthalten Einfachzucker und sind daher bei Low Carb verboten. Doch Vollkornprodukte zählen zu den Polysacchariden. Daher wird der Low Carb Ansatz mittlerweile differenziert betrachtet und die sogenannten „guten“ Kohlenhydrate zu einer bestimmten Menge erlaubt. Dieser Gedanke findet sich im glykämischen Ansatz wieder.

Für wen ist Low Carb geeignet?

Diese Frage lässt sich nicht genau beantworten, da jeder Mensch unterschiedlich ist und dementsprechend auch unterschiedlich gut die Low Carb Diät verträgt und mit der Ernährungsumstellung klar kommt.

Wer Low Carb ausprobieren möchte, sollte sich zunächst unbedingt das Einverständnis eines Arztes holen. Dies gilt besonders für Menschen mit bestehenden Erkrankungen. Auch Schwangeren wird von einer kohlenhydratarmen Ernährung abgeraten.

Ansonsten ist die Low Carb Diät nur für Menschen geeignet, die gerne Fleisch, Fisch und Eier essen und gleichzeitig auch bereit sind, langfristig auf Nudeln, Reis und Brot zu verzichten bzw. diese Lebensmittel stark zu reduzieren.

Weniger geeignet ist Low Carb für die meisten Sportler, die meist mehr Kohlenhydrate brauchen, um leistungsfähiger zu sein und schneller regenerieren zu können.

Auch Vegetarier sollten auf eine Low Carb Ernährung eher verzichten. Fleisch ist ein großer Bestandteil der Ernährungsweise, da es das fehlende Eiweiß der verbotenen Gemüsegruppen und Teigwaren sowie Reis ersetzen soll. Vegetariern würden bei dieser Diät entsprechend mehrere Quellen der Eiweißzufuhr fehlen, was zu einer ungesunden Ernährung führen würde.

Low Carb – ja oder nein?

Ernährung ist etwas Persönliches. Jeder Körper ist anders und reagiert anders auf Veränderungen der Ernährungsweise. So ist zum Beispiel die Einschränkung der Ernährung auf Fett und Eiweiße nicht für jeden geeignet. Dies gilt besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, ältere Menschen, Schwangere oder Vegetarier. Entsprechend spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen und wenig tierischen Fetten aus, die auf eine negative Energiebilanz abzielt.

Zudem kann sich nicht jeder vorstellen, längerfristig auf Lebensmittel wie Brot, Nudeln und Reis zu verzichten, gerade wenn sie bisher ein fester Bestandteil der täglichen Nahrung waren. Es kann daher keine allgemein gültige Antwort getroffen werden.

Jeder, dem das Konzept der Low Carb Diät zusagt, sollte sich individuell damit auseinandersetzen, sich selbst weitergehend informieren und schauen, wie der Körper und das eigene Wohlbefinden auf die Ernährungsumstellung reagieren.


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