BMI - Ist die Maßeinheit zur Gewichtsklassifikation noch aussagekräftig?

BMI – Ist die Maßeinheit zur Gewichtsklassifikation noch aussagekräftig?

Bei der Klassifizierung von Übergewicht und Adipositas wird meist auf den BMI (Body Mass Index), auch Körpermasse-Index (KMI) genannt, zurückgegriffen. Aufgrund der einfachen Anwendung bzw. Formel eignet sich der Index, das eigene Körpergewicht selbst einzuschätzen. Doch ist das Ergebnis nicht immer gleich zu beurteilen. Daher ziehen Mediziner immer häufiger auch andere Indizes zu Rate.

BMI – Normalgewicht vs. Übergewicht

Die Einteilung der Gewichtsklassen erfolgt nach dem BMI in vier Stufen. Allgemein gilt die Grundregel, dass Untergewicht bei einem Wert unter 18,5 herrscht. Menschen mit einem BMI von 18,5 bis 24,9 verfügen über Normalgewicht. Ab einem Wert von 25 spricht man von Übergewicht. Menschen mit einem BMI von 30 oder höher gelten als adipös (Adipositas = Fettleibigkeit).

BMI Unterteilung© meds4all.de

Diese Werte sollten jedoch nur zur allgemeinen Orientierung dienen. Denn allein zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen liegt eine unterschiedliche Fett- und Muskelverteilung im Körper vor. So verfügen Männer häufig über mehr Muskelgewebe und Frauen über mehr Fettgewebe. Bei Kindern sind die Körperproportionen noch nicht voll ausgebildet, daher existieren für sie spezielle BMI-Kurven, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelt wurden (zum Download verfügbar bei der BZgA). Die ermittelten Werte müssen daher zumindest mit diesen Faktoren ins Gewicht gesetzt werden. Eine entsprechende alters- und geschlechtsabhängige Einteilung des Normalgewichts sieht wie folgt aus:

AlterBMI FrauBMI Mann
19 - 2417,5 - 23,918,5 - 24,9
25 - 3418,5 - 24,919,5 - 25,9
35 - 4419,5 - 25,920,5 - 26,9
45 - 5420,5 - 26,921,5 - 27,9
55 - 6421,5 - 27,922,5 - 28,9
> 6422,5 - 28,923,5 - 29,9

Den BMI berechnen

Der BMI setzt sich aus dem Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße im Quadrat zusammen. Die Formel sieht wie folgt aus:

BMI = Gewicht in kg / (Größe in m x Größe in m)

Mit dieser Formel kann das Gewicht eigenhändig berechnet werden. Mittlerweile stellen viele Gesundheitsportale auch eigene BMI-Rechner zur Verfügung, in denen nur noch die Daten eingetragen werden müssen. Diese Rechner variieren in ihrer Komplexität und sind teilweise auch in der Lage, Geschlecht und Alter einzukalkulieren.

Aussagekraft der Werte-Klassen

Mediziner kritisieren bereits seit geraumer Zeit die Aussagekraft des BMI. Die Verfeinerung der Klassen nach Alter und Geschlecht verdeutlicht bereits, dass die Werte nicht als allgemeiner Standard angesehen werden können. Zusätzlich ist auch die individuelle Körperfett- und Muskelverteilung zu beachten. So können Sportler einen erhöhten BMI durch vermehrtes Muskelgewebe erzielen, welcher dann jedoch keinesfalls negativ gewertet werden sollte. Nehmen wir als Beispiel den bekannten Wrestler John Cena. Bei 1,85 m Körpergröße wiegt er 114 kg. Damit hat er einen BMI von 33,3 und gilt laut Wertung als stark übergewichtig. Wenn man ihn sich aber anschaut, sieht man, dass er absolut durchtrainiert und muskulös ist und der BMI hier versagt.

Verschiedene US-Wissenschaftler kritisieren zudem die Vernachlässigung der Fettverteilung als Gesundheitsrisiko. So sei eine androide Fettverteilung (Bauchfett bzw. Apfeltyp) deutlich gefährlicher als die gynoide Verteilung (Oberschenkelfett bzw. Birnentyp). Unter Bauchfett leiden vor allem Männer. Es gilt als stoffwechselaktiv und produziert Stoffe, die sich auf den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie den Blutdruck auswirken. Damit steht eine androide Fettverteilung in starker Verbindung zu Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt.

Alternative Ansätze

Als Alternativen werden vor allem drei Mess-Ansätze genannt – Waist-Hip-Ratio, Waist-Height-Ratio und die Bioelektrische Impedanzanalyse. Diese Methoden beziehen die Fettverteilung und den Körperfettanteil mit in die Berechnung ein, um eine bessere Aussage über mögliche Gesundheitsrisiken anhand des ermittelten Wertes treffen zu können.

Die Waist-Hip-Ratio (Taille-Hüft-Verhältnis) wird aus dem Taillenumfang (cm) geteilt durch den Hüftumfang (cm) errechnet. Es wird hierbei ermittelt, inwieweit beim Übergewicht die Konzentration auf dem Bauchfett liegt. Für Frauen gilt ein Wert ab 0,85 und für Männer ein Wert ab 1 als übergewichtig. Für die vereinfachte Ermittlung des Bauchfetts kann auch der Bauchumfang allein zu Rate gezogen werden. Hier gelten Frauen ab 80 cm als leicht und ab 88 cm als erhöht übergewichtig. Männer weisen ab 94 cm ein leichtes und ab 102 cm ein erhöhtes gesundheitliches Risiko auf.

An der Waist-to-Height Ratio (Taille-zu-Größe-Verhältnis) arbeiten aktuell Forscher der LMU München. Hier wird der Taillenumfang durch die Körpergröße geteilt und soll damit die Fettverteilung im Körper berücksichtigen. Die Münchener Studie prüft die Aussagekraft des Wertes anhand der Untersuchung von 11.000 Probanden. Je höher der Ratio-Wert ist, umso höher ist auch das gesundheitliche Risiko der Person. Ein Wert bis zu 0,5 gilt dabei als Normalgewicht (in der Altersgruppe 50-plus bis 0,6).

Eine aufwendigere Methode stellt die Bioelektrische Impedanzanalyse dar. Durch das Leiten von Strom durch den Körper wird die Konzentration der fettfreien Masse, auch Magermasse genannt, ermittelt. Gleichzeitig ermöglicht diese Messung ein Bild über die Verteilung von Körperzellmasse (Muskel- und Organzellen) und extrazellulärer Masse (Flüssigkeitsraum zwischen den Zellen und Bindegewebe). Anhand der gewonnenen Daten ist es möglich, eine relativ exakte Aussage über den Körperfettanteil und den Ernährungszustand zu treffen, woraus sich wieder Rückschlüsse auf mögliche Gesundheitsrisiken ziehen lassen. Diese Messmethode wird von vielen medizinischen Einrichtungen durchgeführt, die auch die Grundumsatzmessung anbieten.


Hast du Fragen zu diesem Artikel oder brauchst Hilfe beim Abnehmen? Dann benutze bitte das Kontaktformular und schildere dein Problem so genau wie möglich. Ich kann leider nicht versprechen, dass ich auf jede E-Mail antworte. Ich werde aber so oft es geht deine Fragen aufgreifen, um einen Artikel zu schreiben, der dir und vielen anderen Übergewichtigen mit ähnlichen Problemen hilft. Vielen Dank.

2 Gedanken zu “BMI – Ist die Maßeinheit zur Gewichtsklassifikation noch aussagekräftig?

  1. Hallo, ich bin weiblich, 30 Jahre alt und wiege bei 160cm Grösse 52 Kilo.
    Ich möchte wieder auf 50 Kilo, wie vor der Schwangerschaft. Seit längerem stagniert mein Gewicht aber…
    In einem Fitnessstudio konnte ich eine Körperfettwage benutzen:
    Diese zeigte einen Körperfettanteil von 16.4% (8.4 Kilo).
    Die Angestellte meinte, dass dies ziemlich tief wäre, was mich aber erstaunt, da ich nicht extrem sportlich bin („nur“ Freizeitsportlerin und erst vor neun Monaten eine Tochter geboren habe…).
    Ist es wirklich so, dass mein Körperfettanteil bereits tief ist? Und falls ja, habe ich überhaupt eine Chance, dass ich wieder auf 50 Kilo kommen kann, oder habe ich quasi „zu viel“ Muskeln?
    Danke für deine Einschätzung!

Kommentare sind geschlossen.